Wir hatten die Gelegenheit, ein Interview mit Bob Catley kurz vor der MAGNUM-Show beim Festival LIEDER AM SEE in Enderndorf am "Großen Brombachsee" zu führen, und zwar am 18. Juli 2026.

Hallo Bob. Zunächst vielen Dank für Deine Zeit. Wie fühlt es sich an, die dunklen Clubbühnen gegen ein sonniges LIEDER AM SEE Open-Air Festival hier am Brombachsee einzutauschen?

Es ist wundervoll. Ich liebe die Clubs, aber das hier ist etwas komplett anderes. Ich liebe das heutige Line-up und bin die ganze Zeit hier im Backstage-Bereich am Tanzen (lacht). Ich bin sehr froh, dass ich hier sein kann und meine Stimmung ist dementsprechend hervorragend. Ich freue mich auf THE WAILERS und speziell TEN YEARS AFTER – die ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen habe. Dann sind da noch THE SWEET, URIAH HEEP und THE STRANGLERS. Für mich ist das ein tolles Line-up. Festivals, bei denen MAGNUM, aber auch AVANTASIA auftreten, gehören meist fast alle Bands zum gleichen Genre. Aber hier bei LIEDER AM SEE ist das komplett anders, aber diese Mischung funktioniert und das Publikum findet diese Bandbreite sichtlich auch fantastisch.   

Verändert Euer Auftritt am späten Nachmittag im Line-up eines Classic-Rock-Festivals die Art und Weise, wie ihr eure Setlist gestaltet – jetzt im Vergleich zu einer Headliner-Show?

Nein, nicht unbedingt. Vielleicht weniger Balladen. Wenn man seine eigene Show hat mit Bühnenlicht und dem ganzen drum herum und auch die volle Länge performt, dann kann man vielleicht unterschiedlichere Songs einbauen wie z. B. „I NEED A LOT OF LOVE“ oder „LES MORT DANSANT“. Die sind lyrisch wunderschön, aber man muss da wirklich zuhören und man braucht die volle Aufmerksamkeit des Publikums. Bei einem Festival geht das mehr in die Richtung „Yippie -los geht´s, wir wollen Spaß und gute Laune“. Da macht eine auf klassische Songs ausgerichtete Setlist mehr Sinn. Aber es hängt wirklich davon ab, ob man bei einem Festival zeitlich früher oder später im Rahmen des Billings eingeplant wird. Je später die Show angesetzt ist, je mehr kann man die Setlist der einer kompletten Show anpassen. Denn dann hast Du - wie erwähnt - die volle Aufmerksamkeit des gesamten Publikums

Die deutschen Fans waren MAGNUM gegenüber schon immer unglaublich treu. Was macht es für Dich nach all diesen Jahrzehnten so besonders, in Deutschland live aufzutreten?

Das erste Mal, als wir nach Deutschland kamen, war im Jahr 1979. Das ist lange her. Die Reaktion hier bei Euch war zu dieser Zeit komplett anders als bei uns zu Hause in UK. Das war hier alles viel intensiver und emotionaler. Unser wichtigster Markt für unsere Plattenverkäufe war ab dem ersten Tag Deutschland. Es war ein komplett anderes Level. Deutschland war schon immer eine echte Gemeinschaft von Rock-Fans. Das gibt es zwar in England auch, aber die deutschen Fans sind in gewisser Weise emotionaler.

Wie bereitest Du Dich heute auf eine große Tournee vor, nachdem Du schon so viele Jahre auf der Bühne stehst?

Wenn Du jetzt den Besuch von einem Fitness-Studio meinst, dann muss ich gleich sagen, dass ich sowas nicht mache (lacht). Ich bin Sänger und bin da eher Oldschool. Natürlich proben wir im Vorfeld und bevor ich auf die Bühne gehe, gestatte ich mir auch mal einen kleinen Drink z. B. „Jack & Coke“ – wir machen ja auch Rock ´n´ Roll auf altmodische Art (lacht). Und den Auftritt selber genieße ich dann in vollen Zügen. Was ich vor der Show auch absolut vermeide, ist lautes Schreien oder Rufen. Das wäre übel und meine Stimme wäre anschließend weg. Vorab Singen ist kein Problem, aber im Vorfeld Schreien zerstört die Stimme eines jeden Sängers/Sängerin. Nach der Show bin ich dann aber wieder der gesellige und quatschende Typ bei Bier und Pizza. Der gleiche Ablauf ist übrigens auch bei AVANTASIA. Man muss wirklich immer auf seine Stimme achten. 

Wie stellt ihr die Setlist zusammen, wenn ihr aus einem so riesigen Repertoire an Magnum-Klassikern auswählen könnt?

Ja, das ist manchmal sehr schwer (rollt lachend mit den Augen).

Suchst Du die Songs aus, oder die Band gemeinsam?

Nein, ich suche die Songs aus. Ich bin ja auch der Boss (lacht). Nein, im Ernst. Die Band ist froh, wenn ich ihnen die Setlist zeige und sie aber auch frage, was sie davon halten. Da kommt dann auch meistens ihre Zustimmung. Aber ja, im Grunde bin ich der, der die Setlist zusammenstellt. Aber diese Qual der Wahl der vielen Möglichkeiten bei der Songauswahl ist ja eigentlich ein sehr schönes Problem. Aber nicht jeder Song eines Albums kommt live beim Publikum gut an. Es funktioniert nicht immer. Auch wenn sie noch so gut sind, ist es oft trotzdem am besten, sie auf dem Album zu belassen. Ich versuche dennoch Abwechslung hineinzubekommen und es interessant zu halten. Das gleiche gilt für AVANTASIA. Nicht immer das gleiche, denn das wird irgendwann langweilig.

Was ist der größte Unterschied zwischen einem Live-Auftritt auf der Bühne und der Arbeit im Tonstudio? Klar, kein Publikum. Aber was noch?

Weil man kein Publikum vor sich stehen hat. Im Studio hat man nur ein Mikrofon vor sich. Dann gibt es einen Aufnahmeleiter, den Tontechniker und den Produzenten. Auf einer Bühne ist das komplett anders. Im Vordergrund stehen hier vor allem Emotionen. Im Studio ist alles sehr kontrolliert und steril. Der gleiche Song im Studio ist komplett anders auf der Bühne, obwohl er die gleichen Worte und Melodien beinhaltet. Auf der Bühne ist es obendrein um ein vieles lauter und härter.

Wenn Du auf klassische Alben wie "On A Storyteller's Night" zurückblickst: Wie siehst Du diese Ära der Band heute?

Wenn ich auf ON A STORYTELLER´s NIGHT zurückblicke, kann ich es immer noch nicht glauben das es nach wie vor das bekannteste Album ist was wir je herausgebracht haben. Wir waren vorher noch etwas unsicher, aber mit diesem Album öffnete sich für uns eine ganz andere Welt. Ohne dieses Album wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. Jeder in der Band liebt die Songs und wir performen immer noch das halbe Album bei unseren Shows. Warum auch nicht, denn die Leute lieben die Songs. Das sind Songs von 1985 und wirken als wären sie von gestern. Das ist doch fantastisch. Die Songs sind nach all den Jahren buchstäblich immer noch frisch und aktuell.

Was war die wichtigste Lektion, die Du seit der Gründung der Band über das Musikgeschäft gelernt hast?

Die wichtigest Lektion ist "Glaube nicht das, was Dir die Leute erzählen" (lacht). Ja, ich bin da wohl auch etwas zu vertrauensselig. Wir hatten in all den Jahren viele AUF und ABs, wie viele andere Bands in diesem Business. Du musst viel einstecken, aber es kommen dann auch wieder gute Jahre. Es würde alles nicht gehen, wenn man nicht das große Glück hat, tolle Leute um sich herum zu haben. Ohne die Liebe und Unterstützung der Familie, würde das alles gar nicht funktionieren. Das ermöglicht einem dann immer weitermachen. Denn Du brauchst diesen Support, denn allein schaffst Du das nicht. Das Musikgeschäft kann genial sein. Es kann aber auch zu einer brutalen Bitch mutieren.    

Woher nimmst Du die Energie und Inspiration, auch nach all diesen Jahrzehnten weiterhin neue Musik aufzunehmen?

Weil ich das Singen liebe. Ich habe die Leidenschaft, mir alles von der Seele zu singen. Wir schreiben Songs mit den richtigen Leuten. Mein Job ist der beste auf der ganzen Welt. Ich bin darüber so glücklich. Es ist kein Job, es ist - wie gerade erwähnt - pure Leidenschaft.

Als MAGNUM beim diesjährigen KEEP IT TRUE FESTIVAL die Bühne betraten, rastete das Publikum völlig aus. Euer Auftritt befand sich zwischen Bands wie TROUBLE und HELLHAMMER – also vollkommen andere Genres. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Am Anfang ist man ziemlich auf den Auftritt konzentriert. Man hört zwar beim Betreten der Bühne das lautstarke Publikum und denkt sich „Boahhhh“. Aber im Grunde ist man zunächst auf den Auftritt fokussiert und blendet das etwas aus. Nach ca. der Hälfte der Show registriert man das anders. Man sieht die Menge unten tanzen und sich bewegen. Das war dann schon mehr als beeindruckend (lacht).